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Griechische Archaik: Interne Entwicklungen Externe Impulse Robert Rollinger

Griechische Archaik: Interne Entwicklungen Externe Impulse

Robert Rollinger

Published April 21st 2004
ISBN : 9783050036816
Hardcover
520 pages
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 About the Book 

Der vorliegende Band versammelt 16 Beitrage, die auf einen internationalen Workshop zuruckgehen, der im Herbst 2001 in Innsbruck stattfand. Der Workshop stand im Kontext eines seit 1999 von den Herausgebern in Innsbruck betreuten langerfristigenMoreDer vorliegende Band versammelt 16 Beitrage, die auf einen internationalen Workshop zuruckgehen, der im Herbst 2001 in Innsbruck stattfand. Der Workshop stand im Kontext eines seit 1999 von den Herausgebern in Innsbruck betreuten langerfristigen Projektes, das sich mit der Analyse der formativen Phasen in der Genese der als griechisch verstandenen Kultur beschaftigt. Als formativ - so eine Grundthese - sind in diesem Zusammenhang nicht nur die Archaik im engeren Sinne, sondern auch die homerische Zeit sowie die so genannten Dark Ages einzuschatzen. Dieses breit angelegte Verstandnis von dem, was als formativ fur die spatere griechische Kultur zu gelten hat, hat eine besondere Betonung der Interdisziplinaritat der verschiedenen altertumswissenschaftlichen Forschungsrichtungen zur Folge. Es fuhrt aber auch dazu, dass die einzelnen Fragestellungen nicht allein unter der Perspektive der Griechen angegangen werden konnen, sondern eine differenzierte Scharfung durch die Anwendung neuer - anthropologisch orientierter - theoretischer Modelle finden mussen. Zwei Forschungserkenntnisse jungeren Datums sind hierfur von grundlegender Bedeutung. Es ist erstens der Volksbegriff als sinnvolle historische Kategorie in Frage zu stellen, weil sich der aus der Zeit der Romantik stammende Terminus wissenschaftlich nicht ausreichend klar definieren lasst. Er wird durch das Konzept der Ethnogenese ersetzt, mit dem auch die der modernen Migrationsforschung entgegenlaufende Vorstellung von (ein)wandernden Stammen abgelost werden kann. Zudem sind zweitens auch der mit dem Volksbegriff eng verknupfte Terminus der Kultur zu problematisieren, weil er unter dem begrundeten Verdacht steht, zu ahnlichen Schwierigkeiten wie der Volksbegriff zu fuhren. Gerade weil diese Pramissen inzwischen von einem betrachtlichen Teil der modernen Forschung geteilt werden, und das Volk als historischer Wirkfaktor immer mehr ausgeblendet wird, ist es auffallig, dass die bunte Welt zwischen Ionischem und Agaischem Meer in der Forschung nach wie vor weithin als griechisch aufgefasst wird. Obwohl die Rahmenbedingungen fur diesen Raum theoretisch erfasst, die in ihm vorhandenen verschiedenen Entwicklungsprozesse und Entwicklungsgeschwindigkeiten analysiert und die gewonnenen Erkenntnisse in ein immer detaillierter werdendes Raster eingepasst wurden, blieb all das dennoch auf eine meist als griechisch verstandene Welt als Grosse sui generis bezogen. Als spatestens seit den eine markante Zasur in der Forschung bedeutenden Arbeiten von Walter Burkert auch die Levante als Wirkkraft vor allem fur den ostlichen Mittelmeerraum nicht mehr zu leugnen war, wurde diese Konzeption, bei aller positiver Rezeption, chronologisch und thematisch marginalisiert. Nur die schon langer nicht ubersehbare literarische Beeinflussung, wie immer man deren Ausmass auch definieren mochte, stand weitgehend ausser Streit, auch wurden Impulse fur Religion und Mythos konzediert. Damit schienen die wesentlichen Kontaktzonen schon hinreichend abgesteckt. Der Bereich des Politischen hingegen wurde - von der Frage der Genese der Polis abgesehen - nicht in diesen Zusammenhang eingepasst. Auch soziale und institutionelle Phanomene fanden unter dieser Perspektive kaum Beachtung. Diese extrem selektive Akzeptanz externer Impulse auf die Genese der Griechen wird von einer ahnlich extremen Eingrenzung der Kontakte mit der Levante auf ein ganz enges Zeitfenster begleitet, auf die orientalisierende Phase des homerischen Zeitalters. Dieser Terminus gibt schon den Blick darauf frei, dass die langerfristigen Zusammenhange und Entwicklungen der archaischen Geschichte Griechenlands weiterhin als Phanomene eines vorwiegend griechisch induzierten Prozesses verstanden wurden. Die Grundtendenz, keine diachrone und thematische Erweiterung auf der Suche nach moglichen Kontakten und Einflussen zuzulassen, ist auch in neueren Uberblicksdarstellungen deutlich spurbar anwesend. So stellt es nach wie vor ein Desiderat der Forschung dar, diese Begrenzungen aufzubrechen. Mit dem vorliegenden Band wird - teilweise direkt auf dem Vorgangerband Wege zur Genese der griechischen Archaik, Berlin 1996 aufbauend - ein weiterer Schritt in die Richtung gesetzt, die innergriechischen Entwicklungen unter einem raumlich wie chronologisch moglichst breit angelegten Blickwinkel zu betrachten. In den einzelnen Studien des Bandes werden daher bewusst nicht nur literarische und religiose Phanomene, sondern moglichst viele Bereiche des sozialen, politischen und okonomischen Lebens aus den genannten formativen Phasen behandelt. Auf der Grundlage dieser Analysen sollte klarer als bisher erkennbar werden, inwieweit die Ausbildung der griechischen Gesellschaften und Kulturen und besonders auch deren Veranderungen auf einen - grundsatzlich stets zu gering veranschlagten - orientalischen Einfluss zuruckgehen. Das alle Studien leitende Thema, innergriechische Entwicklungen im Lichte eines umfassenden mediterranen Zusammenhangs zu sehen, soll es erleichtern, interne griechische Gegebenheiten von externen nicht-griechischen Impulsen scharfer abzugrenzen. So sollte auch ein praziseres Bild einzelner Phanomene und ganzer Entwicklungen zu gewinnen sein. Wer sich auf derartige Studien einlasst, tut gut daran, sich der wissenschaftsgeschichtlichen und theoretischen Bedingungen, unter denen die eigene Forschung stattfindet, zu vergewissern. Die genannten Forschungsinteressen und -notwendigkeiten fuhrten daher folgerichtig zu einer Dreigliederung des vorliegenden Bandes in: Theoretische Aspekte, Entwicklungen in Griechenland, Externe Impulse. Aus dem Inhalt: I. Theoretische Aspekte J. M. Hall: Culture, Cultures and Acculturation Ch. Ulf: Die Instrumentalisierung der griechischen Fruhzeit. Interdependenzen zwischen Epochencharakteristik und politischer Uberzeugung bei Ernst Curtius und Jakob Burkhardt B. Eder: Antike und moderne Mythenbildung: Der Troianische Krieg und die historische Uberlieferung L. Thommen: Der spartanische kosmos und sein Feldlager der homoioi. Begriffs- und forschungsgeschichtliche Uberlegungen zum Sparta-Mythos II. Entwicklungen in Griechenland E. Kistler: Kampf der Mentalitaten: Ian Morris Elitist - versus Middling-Ideology W. Scheidel: Graberstatistik und Bevolkerungsgeschichte: Attika im achten Jahrhundert E. Wirbelauer: Eine Frage von Telekommunikation? Die Griechen und ihre Schrift im 9.-7. Jahrhundert v. Chr. R. Bichler: Das chronologische Bild der Archaik in der Historiographie der griechischen Klassik A. Moller: Elis, Olympia und das Jahr 580 v. Chr. Zur Frage der Eroberung der Pisatis K. A. Raaflaub: Zwischen Ost und West: Phonizische Einflusse auf die griechische Polisbildung? A. Bernabe: Hittites and Greeks. Mythical Influences and Methodological Considerations W. Schmitz: Griechische und nahostliche Spruchweisheit. Die Erga kai hemerai Hesiods und nahostliche Weisheitsliteratur G. Lorenz: Asklepios, der Heiler mit dem Hund, und der Orient III. Externe Impulse R. Rollinger: Die Verschriftlichung von Normen: Einflusse und Elemente orientalischer Kulturtechnik in den homerischen Epen, dargestellt am Beispiel des Vertragswesens B. Patzek: Griechischer Logos und das intellektuelle Handwerk des Vorderen Orients P. W.Haider: Kontakte zwischen Griechen und Agyptern und ihre Auswirkungen auf die archaisch-griechische Welt